Was ist open?

ABC der Offenheit

Open — Offen ist ein Begriff, der viele Assoziationen erlaubt. Wir stellen uns offene Türen oder offene Räume vor und vielleicht haben wir schon mit Open Source Software gearbeitet. In Konzepten wie Open Data, Open Science oder Open Design benötigt der Begriff jedoch ein wenig Erklärung. Was heißt also offen in diesem Kontext? Um das zu klären, haben sich weltweit Menschen zusammen­ gefunden, um an einer Definition für offen zu arbeiten — der Open Definition:

Offen heißt, dass jede Person für jeglichen Zweck auf Werke frei zugreifen, sie nützen, modifizieren und teilen darf (und das ohne Bedingungen, außer höchstens, dass Offenheit und Quellenangaben erhalten bleiben).

Wenn wir als Beispiel einen offenen Text nehmen, so bedeutet das, dass jede Person ihn lesen, umschreiben oder remixen und das Ergebnis (oder auch das Original) mit anderen teilen und weitergeben darf. So ein Text könnte in eine Sammlung aufgenommen werden, die dann als Buch verkauft wird. Die ursprünglichen Autorinnen und Autoren müssen dabei gar nicht mehr um Erlaubnis gefragt werden. Denn mit der Bereitstellung des Textes unter einer offenen Lizenz haben diese ihr Einverständnis für die Verwendung schon bekundet.

Wir können den Begriff open auf die verschiedensten Lebens- und Arbeitsbereiche anwenden: Kultur, Wissen, Daten, Design, Architektur, Wissenschaft, Verwaltung, Gesellschaft und vieles mehr. Das Prinzip dahinter ist immer das gleiche: Die Daten, Entwürfe, Fotos, Musikstücke oder sonstige Inhalte und Wissen werden digital zur Verfügung gestellt, sodass andere diese sehen, nützen, modifizieren und teilen können. Allen gemeinsam sind zudem einige Faktoren, die mit dem Thema Offenheit einhergehen:

  1. Auffindbarkeit: Offene Werke bringen wenig, wenn man nicht weiß, dass sie existieren. Es ist also essentiell, dass man Wissen auf entsprechenden Plattformen (zum Beispiel Wikipedia) oder mit einschlägigen Communitys teilt.
  2. Teilhabe: Eine Weiterentwicklung, ein Remix oder eine Anpassung an eigene Bedürfnisse führen dazu, dass Werke nicht mehr die alleinige Schöpfung einer einzigen Person sind. Viele haben daran mitgewirkt und eine weitere Mitgestaltung ist möglich. Das führt bei aktuellen Inhalten zu kurzen Innovationszyklen und vielleicht sogar zu einer hohen Dichte an unterschiedlichen Positionen. Das sind gute Eigenschaften, aber dieser Prozess ist für unsere Kultur noch relativ neu. Wir müssen uns erst darauf einstellen.
  3. Nachvollziehbarkeit: Es ist wichtig, dass die Entstehung von Werken nachvollzogen werden kann. Das beugt Missverständnisse vor und hilft Benutzerinnen und Benutzern, die Daten, Inhalte oder das Wissen richtig zu verwenden. Beispielsweise sollte ein Foto einer politisch aufgeladenen Situation immer mit Datum, Ort, kurzer Beschreibung der Begleitumstände und wenn möglich einer Quellenangabe für Rückfragen veröffentlicht werden. Dies hilft zu verhindern, dass es später einfach aus dem Kontext gerissen oder missinterpretiert wird.

Openness-Ansätze verfolgen in den unterschiedlichen Bereichen ein ähnliches Prinzip. Die Schwerpunkte in der Interpretation der Definition sind jedoch je nach Anwendungsbereich unterschiedlich gelagert. (opendefinition.org)


Redaktion: Michael Bauer, Claudia Garád, Karl-Heinz Leitner, Thomas Lohninger, Brigitte Lutz, Bernhard Haslhofer, Stefan Pawel, Sylvia Petrovic-Meyer, Magdalena Reiter, Georg Russegger, Michela Vignoli (Text unter CC BY-SA 3.0 AT)