Open Science

ABC der Offenheit

Was ist Open Science?

Open Science ist ein Sammelbegriff, der jegliche Ansätze umfasst Wissenschaft möglichst offen und transparent zu dokumentieren sowie über das Internet zur Verfügung zu stellen und zu kommunizieren. Open Science, auch unter den Begriffen Science 2.0 oder Open Research bekannt, funktioniert nach dem Prinzip, dass Wissenschaft frei und offen ist für alle.

Die Open Science Bewegung strebt danach wissenschaftliche Publikationen (Open Access) sowie wissenschaftliche Daten (Open Research Data) barrierefrei im Internet verfügbar zu machen. Darüber hinaus ist die Dokumentation von Zwischenergebnissen, angewandten Methoden und Forschungstagebüchern mittels Blogs oder Wikis ebenso Teil der gängigen Open Science Praktiken.

Vorteile

Durch den barrierefreien Zugang zu Forschungsergebnissen können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit schneller und auf mehr für ihre Arbeit relevante Publikationen sowie Forschungsdaten zugreifen. Dadurch kann Forschung effizienter werden, Redundanzen vermeiden und zeitnaher auf aktuelle Entwicklungen eingehen. Durch die freie Verfügbarkeit im Internet können wissenschaftliche Dokumentationen auch von anderen Zielgruppen verwendet werden, z. B. der Industrie oder Laienforscherinnen und Laienforscher. Frei publizierte Forschungsdaten können in anderen Kontexten wiederverwendet werden (z. B. in anderen Experimenten, oder in Verknüpfung mit anderen Datensätzen). Zudem erhöht die Publikation von Forschungsdaten die Transparenz und Reproduzierbarkeit /Überprüfbarkeit der in einer Publikation dargelegten Ergebnisse und Hypothesen.

Was ist zu beachten?

Open Access

Immer mehr Forschungsförderungen unterstützen Open Science Ansätze. Zum Beispiel fordern die Europäische Union und der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), dass Publikationen, die im Rahmen der von ihnen geförderten Forschungsprojekten entstehen, Open Access publiziert werden müssen. Diese Kondition bedeutet jedoch nicht, dass ein Publikationszwang besteht. Es ist nach wie vor den Forscherinnen und Forschern überlassen, zu entscheiden, ob Forschungsergebnisse publiziert werden sollen. Dies ist v. a. dann relevant, wenn Patentierung oder Vermarktung der Forschungsergebnisse in Frage kommen. Entscheiden sich Autorinnen und Autoren ihre Forschungsergebnisse zu publizieren, ist es in jedem Fall ratsam, Open Access Optionen in Betracht zu ziehen. Inzwischen gibt es für viele Fachrichtungen und unterschiedliche Publikationstypen (z. B. Artikel, Monographien) gute Open Access Optionen. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Informationsplattform: openaccess.net oder in speziellen Open Access Offices (z. B. an der Universität Wien: openaccess.univie.ac.at).

Open Research Data

Sowohl die EU als auch der FWF empfehlen wissenschaftliche Rohdaten offen zugänglich zu machen (Open Research Data). Aufbereitete Rohdaten können auf speziellen Plattformen oder Repositorien (z. B. datadryad.org) archiviert und für die Allgemeinheit frei zugänglich und zur Wiederverwendung zur Verfügung gestellt werden. Die Daten sollten hierzu aufbereitet und in einem offenen Format gespeichert werden. Wichtig ist dabei auch die Lizenzierung der Daten. Die Panton Principles for Open Data in Science empfehlen eine möglichst offene Lizenz zu verwenden, die eine problemlose Wiederverwendung der Daten durch Dritte ermöglicht. (pantonprinciples.org/)

Forschungskommunikation: Was und wie?

Heute findet wissenschaftliche Kommunikation vermehrt in Blogs und Wikis statt. Dies hat einerseits den Vorteil, dass Informationen und Gedankengänge während des Forschungsprozesses bereits zur Verfügung gestellt werden können und andere Forscherinnen und Forscher somit ihr Wissen bzw. ihre Erfahrungen bereits früh mit der Community teilen. Das Wissen kann dadurch früher in die Arbeit von Forscherinnen und Forschern fließen, die sich mit einem ähnlichen Forschungsgegenstand oder Prozess auseinandersetzen. Zudem ermöglichen Web 2.0 Technologien einen direkten Austausch bzw. Diskurse online zu führen, beispielsweise in Form von Kommentaren, Tweets, usw.

Beispiele

Polymath Project

Polymath Project wurde 2009 vom Mathematiker Tim Gowers ins Leben gerufen. Die Idee war es durch die Zusammenarbeit vieler Mathematiker über das Web komplexe mathematische Probleme zu lösen. Die Zusammenführung von zahlreichen partiellen Fortschritten zur Problemlösung führte bereits im ersten Pilotanlauf zum Beweis eines wichtigen mathematisches Theorems.

→ michaelnielsen.org/polymath1/index.php?title=Polymath1

Individuelle Open-Science-Initiativen

Viele Open-Science-Projekte wurden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern lanciert, die sich für eine offenere Wissenschaft engagieren wollten. Ein Beispiel ist ein Dissertant der TU Graz, der im Rahmen seiner Dissertation nicht nur seine Dissertationsarbeit, sondern auch die zu Grunde liegenden Datasets offen und frei zur Verfügung gestellt hat. Link zur Dissertationsarbeit:

→ tagstore.org/en/papers.shtml

 

Organisationen in Österreich:

 


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Redaktion: Michael Bauer, Claudia Garád, Karl-Heinz Leitner, Thomas Lohninger, Brigitte Lutz, Bernhard Haslhofer, Stefan Pawel, Sylvia Petrovic-Meyer, Magdalena Reiter, Georg Russegger, Michela Vignoli (Text unter CC BY-SA 3.0 AT)