Open GLAM

ABC der Offenheit

Was ist Open GLAM?

GLAM  ist die Abkürzung (galleries, libraries, archives and museums) für all jene Institutionen, die eine zentrale Rolle in der Erhaltung, Vermittlung und Weitergabe von Wissen und Kultur spielen: Galerien, Bibliotheken, Archive und Museen. Sie bewahren unser kulturelles Erbe und halten ein Zeugnis unserer Geschichte. Durch das Internet hat sich ihre Rolle noch einmal verändert, denn es hat möglich gemacht, Wissen, Kunst und Kultur für ein globales Publikum zu öffnen und Sammlungen über Institutionsgrenzen hinweg zu verknüpfen und auffindbar zu machen.

Open GLAM ist die Bestrebung, einen freien Zugang zu diesen Inhalten für alle Menschen zu ermöglichen.

Vorteile

Vor allem staatliche Institutionen haben einen Bildungsauftrag. Um diesen zu erfüllen, erleichtert ihnen die frei zugängliche Veröffentlichung von angekauften Werken und entsprechenden Informationen darüber (siehe auch Metadaten) die Arbeit immens.

Zudem bekommen die Werke und ihre Schöpferinnen und Schöpfer mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung, wenn sie sichtbar und leichter in unseren Alltag integrierbar werden.

Langfristig macht es Sinn, unsere kulturellen Archive zu öffnen: Wenn das Wissen und Kulturgüter beispielsweise für Lernmaterialien in Schulen genutzt werden können oder zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler die Werke anderer remixen dürfen, vermehrt sich das Wissen und unsere Gesellschaft hat als Ganze etwas davon. Besonders bei Institutionen, die aus öffentlichen Geldern finanziert werden, lässt sich schwer argumentieren, warum diese nicht allgemein offene Inhalte anbieten sollten.

Was ist zu beachten?

Digitalisierung

Wenn Kultur- und Wissensinstitutionen adäquat mit Digitalisierung umgehen wollen, bedeutet das sehr viel Umstellung für sie. Sie benötigen nicht nur Social-Media-Betreuerinnen und -Betreuer, sondern müssen neue Konzepte zur Wissens- und Kulturvermittlung ihrer digitalen Werke umsetzen. Außerdem müssen die digitalen Verwertungsrechte geklärt werden und analoge Werke erst aufwändig digitalisiert werden. Das bedeutet vor allem anfangs viel Arbeit — aber es zahlt sich aus, wie an den unten stehenden Beispielen ersichtlich wird.

Metadaten & Tagging

Je größer Wissensarchive werden, desto herausfordernder ist es, auf Anhieb die richtigen Inhalte zu finden. Daher sind möglichst genaue Metadaten wie Schlagworte, Kategorien, beschreibende Texte oder aussagekräftige Titel sehr wichtig für Archive und Wissensinstitutionen. Je besser die Metadaten, desto einfacher können die Daten selbst gefunden und desto öfter auch genutzt werden.

Beispiele

Europeana

Europeana ist eine virtuelle Bibliothek, die das wissenschaftliche und kulturelle Erbe Europas einem breiten Publikum zugänglich macht. Dabei befinden sich die einzelnen Bilder, Texte, Ton und Videoaufnahmen fast ausschließlich nicht direkt auf dem Portal selbst. Denn Europeana sammelt allein die Kontextinformationen (Metadaten) und verlinkt auf die Inhalte der Websites der Partnerinstitutionen in den unterschiedlichen Ländern.

→ europeana.eu/portal

Cultural Broadcasting Archive

Bereits seit den 1990ern arbeiten die österreichischen freien Radios an Onlinearchiven, die für alle zugänglich sind. Ihr Ziel war und ist es, die Vielfalt an Beiträgen zum kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Geschehen Österreichs bereitzustellen. 1999 schlossen sie sich zusammen und gründeten das Cultural Broadcasting Archive. Auf der Website stehen mittlerweile mehr als 50.000 Beiträge, die alle frei zugänglich sind. Die vom Verband Freier Radios Österreich getragene Plattform ist das heute größte Radioarchiv Österreichs, das seine Inhalte offen macht.

→ cba.fro.at

 

Organisationen in Österreich:

 


Redaktion: Michael Bauer, Claudia Garád, Karl-Heinz Leitner, Thomas Lohninger, Brigitte Lutz, Bernhard Haslhofer, Stefan Pawel, Sylvia Petrovic-Meyer, Magdalena Reiter, Georg Russegger, Michela Vignoli (Text unter CC BY-SA 3.0 AT)