Interview: Renate Holzschuh-Hofer

Urheber: BDA Bettina Sidonie Neubauer

Renate Holzschuh-Hofer

Leiterin der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit im Bundesdenkmalamt

Leidenschaft ist eine seltene Pflanze und gedeiht gerne da, wo man es nicht auf Anhieb vermuten würde: Zum Beispiel als Antriebsfeder von einigen Mitarbeitern in der österreichischen Verwaltung oder als verbindendes Element zwischen einem Amt und einer Online-Community. Renate Holzschuh-Hofer ist eine Frau, die weiß wovon sie spricht, wenn sie uns erzählt wie ihre Leidenschaft für Österreichs kulturelles Erbe sowohl ihre Arbeit im Bundesdenkmalamt als auch die Zusammenarbeit mit der Wikimedia Community prägt.

Was macht Denkmäler so spannend und besonders für dich und viele unserer Wikipedianer?

Ein Aspekt, der die Arbeit mit Denkmalen, also mit unserem materiellen kulturellen Erbe, so spannend macht, ist das vielfältig wirkende Netzwerk an Zusammenhängen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Es gibt kein Objekt, das nicht Geschichten und Geschichte gespeichert hat – das kann individuelle Schicksale betreffen und gleichermaßen einen großen historischen Kontext. Die Arbeit am Denkmal, sei es Forschung, Inventarisierung, Dokumentation oder Denkmalpflege, ermöglicht uns, diese Geschichten zu extrahieren und sichtbar zu machen. Die Objekte mit ihren Geschichten reichen natürlich bis in unsere Gegenwart und bilden zu einem großen Anteil unsere Lebenswelt und damit unsere Lebensqualität! Das ist meiner Ansicht nach das, was viele Wikipedianer_innen so an der Arbeit mit den Denkmalen fasziniert. Hier haben wir eine gemeinsame Basis zwischen BDA und der Wikipedia.

Eine gehörige Portion Begeisterung und Leidenschaft für die gemeinsame Sache machte unsere bisherige Zusammenarbeit erfolgreich. Welche anderen Faktoren waren für dich entscheidend in unserer Zusammenarbeit?

Ich kann hier erst einmal zustimmen: Begeisterung und Leidenschaft sind Faktoren, die über viele Hürden hinweghelfen und ein starkes verbindendes Element für eine gedeihliche Zusammenarbeit darstellen, auf die wir nun zweifellos nach mehr als fünf Jahren gemeinsam zurückblicken können. Was in meinen Augen des Weiteren ausschlaggebend war, ist der Wille zur sachbezogenen Arbeit, der beiderseitige hohe Qualitätsanspruch und die Tatsache, dass beide Organisationen nicht auf monetären Gewinn ausgerichtet sind. Das Entscheidende war jedoch der Mut und die Unbekümmertheit der handelnden Personen, landläufigen Klischees und Vorurteilen, die für beide Organisationen vorhanden waren und immer noch vorhanden sind, zum Trotz etwas Neues Gutes für das kulturelle Erbe aufzubauen.

Was macht Wikimedia Österreich zu einem guten Partner wenn es um die Digitalisierung unseres kulturellen Erbes geht?

Alle Kolleginnen und Kollegen im BDA, die mit den österreichischen Wikipedianer_innen direkt zusammengearbeitet haben und weiterhin zusammenarbeiten, sei es bei der fotografischen und datenmäßigen Erfassung der unter Denkmalschutz stehenden Objekte in der Wikipedia, bei der Sonderkategorie zum Fotowettbewerb Wiki loves Monuments beim Tag des Denkmals oder bei der Digitalisierung des historischen Buchbestandes des BDA, sind von der Präzision der Arbeit in der Wikipedia, dem hohen Niveau der sachbezogenen Kommunikation, dem Willen zum freien Wissensaustauch und vor allem dem enormen Engagement für die Sache und der Bereitschaft, viel freie Zeit dafür zu geben, schwer beeindruckt. Mit dem Blick hinter die Kulissen der Wikipedia haben wir im BDA großen Respekt für deren freiwillige selbstlose Tätigkeit, mit dem Ziel freien Zugang zu Wissen zu schaffen. Die Digitalisierung unseres kulturellen Erbes ist entscheidend für die Vermittlung in der Öffentlichkeit. Das in großem Maßstab zu leisten wäre mit den Ressourcen des BDA nicht möglich und wird nun zum Teil von der Wikipedia übernommen. Für mich persönlich hat die Wikipedia als wichtige und machtvolle Gegenbewegung zu der in unserer Gegenwart leider uneingeschränkt Maßstab gebenden Profitgier und zu dem Zwang zum Wegwerfkonsum in der globalen Gesellschaft eine verantwortungsvolle und vielfach noch weit unterschätzte Rolle.

Wir haben zusammen über die Jahre viel Neues ausprobiert: Wiki Loves Monuments, Tag des Denkmals, Edit-a-thons zu Denkmal-Artikeln in der Wikipedia u.vm. Was war dein persönlicher Höhepunkt in der bisherigen Zusammenarbeit?

Das möchte ich so nicht beantworten, denn dann wären die nicht genannten Bereiche unserer Zusammenarbeit ungerechterweise quasi in der zweiten Reihe. Ich erinnere mich mit viel Freude an all die gemeinsamen Aktionen und Events, die Fahrt nach Berlin zur Zedler-Preis-Überreichung mit dem live-Stream ins Internet, die langen Jury-Sitzungen für den Fotowettbewerb, unsere Preisverleihungsevents in den Räumlichkeiten den BDA, unser gemeinsamer Auftritt bei der Monumento in Salzburg, das Edith-a-thon bei uns im Ahnensaal, die Führungen auf den Dachboden der Hofburg, unser gemeinsamer Folder, die Freundschaften, die entstanden sind – insgesamt das stille unspektakuläre Wachsen der Kooperation. Aber eine Kooperation, wie wir sie auf die Beine gestellt haben, ist die Zukunft! Viele Menschen verstehen das derzeit noch nicht oder sind in ihren Vorurteilen gefangen. Da hilft nur mit Geduld, Zuversicht und Hartnäckigkeit warten, bis die Zeit reif ist. Eine Bestätigung für den positiv zukunftsweisenden Sinn unserer Kooperation ist bereits jetzt in der Tatsache zu erkennen, dass es auch schon in anderen Ländern, z.B. in der Slowakei, nach unserem Vorbild Versuche gibt, bei denen Behörden und die Wikipedia zusammenarbeiten.